
Etwas,das ich immer wieder bei mir und bei anderen beobachte:
Im Training klappt plötzlich alles.
Der Hund orientiert sich am Menschen, Hundebegegnungen laufen entspannt, der Rückruf funktioniert und die Kommandos werden umgesetzt.
Und dann kommt ein paar Tage später die Nachricht:
"Im Alltag kriegen wir das überhaupt nicht hin."
Aber eigentlich ist das gar nicht so überraschend.
Für eine Trainingsstunde nehmen wir uns bewusst Zeit. Wir buchen einen Termin, bezahlen Geld dafür und haben in dieser einen Stunde nichts anderes zu tun, als uns mit unserem Hund zu beschäftigen.
Wir müssen nicht einkaufen.
Wir müssen nicht zur Arbeit.
Wir müssen nicht pünktlich irgendwo sein.
Das Handy bleibt oft in der Tasche und wir sind mit unserer Aufmerksamkeit bei unserem Hund.
Viele Menschen sind in dieser Situation deutlich ruhiger, fokussierter und klarer als im Alltag.
Und genau das bekommt der Hund natürlich mit.
Unsere Atmung, unsere Körperspannung, unsere Bewegungen, unsere Stimmung.
Vielleicht merkt der Hund auch:
"Heute meint sie es wirklich ernst."
Dazu kommt noch etwas anderes.
Im Training sind wir oft immer wieder an den gleichen Orten. Auf dem Hundeplatz, auf einer bekannten Strecke oder an einem bestimmten Treffpunkt.
Hunde lernen aber sehr ortsbezogen.
Nur weil etwas dort funktioniert, bedeutet das nicht automatisch, dass es auch vor dem Supermarkt, auf dem Weg zum Tierarzt oder mitten in einer stressigen Hundebegegnung klappt.
Deshalb reicht Training allein oft nicht aus.
Die eigentliche Herausforderung beginnt meistens erst danach:
Die Dinge in den Alltag mitzunehmen.
Und genau da wird es spannend.
Denn im Alltag haben wir selten die volle Aufmerksamkeit für unseren Hund.
Da klingelt das Telefon, wir sind spät dran, denken an die Einkaufsliste oder ärgern uns über irgendetwas, das schon Stunden zurückliegt.
Unser Hund bekommt das alles mit.
Manchmal ist Training deshalb gar nicht der schwierige Teil.
Sondern der Alltag.
Wie ist das bei euch? Gibt es etwas, das im Training super klappt, aber im Alltag plötzlich wieder ganz anders aussieht?

Wartezimmer-Erlebnisse
Heute stand mal wieder ein Tierarztbesuch an – zum Glück nur die Impfung für Gustav.
Gustav hat mit Tierarztbesuchen grundsätzlich kein großes Problem, auch wenn es sicher nicht zu seinen Lieblingsbeschäftigungen gehört.
Aber selbst wenn der Hund entspannt ist, können solche Situationen für uns Menschen ganz schön herausfordernd sein.
Heute wäre ich im Wartezimmer zum Beispiel fast von einer Flexileine erwürgt worden. Die Halterin saß hinter mir, ihr Labrador lief los, bog um die Ecke meiner Bank und die Leine spannte sich direkt vor meinem Gesicht. Hätte ich nicht im letzten Moment den Arm ausgestreckt, hätte ich die Leine voll abbekommen.
Deshalb habe ich für Tierarztbesuche ein paar Strategien, die mir helfen, solche Situationen entspannter zu meistern:
- Mein Hund bleibt an der kurzen Leine
- Es gibt keinen Kontakt zu anderen Hunden
- Ich suche mir einen Platz mit möglichst wenig Durchgangsverkehr
- Ich grenze meinen Hund und mich körpersprachlich und notfalls auch verbal ab.
Und ehrlich gesagt bin ich heute ziemlich stolz auf Gustav.
Draußen ist er manchmal ein kleiner Pöbeldackel, der anderen Rüden gerne mal etwas entgegenbrüllt. Aber in engen Räumen und solchen Situationen passt er sich unglaublich gut an. Er sitzt nah bei mir, schaut sich alles an und versteht: Hier gibt es nichts zu diskutieren.
Klar, manchmal fiept er ein bisschen vor Langeweile, weil Warten einfach nicht seine Lieblingsbeschäftigung ist. Aber jedes Mal, wenn er ruhig bleibt oder mich entspannt anschaut, bestätige ich ihn dafür - mit einem Leckerlie, einem Lächeln, einem netten Wort.
Und wenn nötig, bitte ich andere Menschen freundlich, ihre Hunde nicht an uns heranzulassen.
Wie ist das bei euch?
Ist der Tierarztbesuch für deinen Hund entspannt oder eher schwierig? Und was ist für dich die größte Herausforderung dabei?

Was Hunde uns über uns selbst beibringen
Heute Morgen war ich früh mit meinen Hunden unterwegs. Es war einer dieser Sommermorgen, an denen die Luft angenehm mild ist und die Welt noch ein bisschen ruhiger wirkt als sonst.
Während wir gelaufen sind, habe ich darüber nachgedacht, wie viel Hunde uns eigentlich geben.
Damit meine ich nicht nur die offensichtlichen Dinge wie Gesellschaft, Freude oder gemeinsame Erlebnisse. Sondern die vielen kleinen Dinge im Alltag, die wir oft gar nicht bewusst wahrnehmen.
Hunde bringen uns nach draußen.
Sie bringen uns in Bewegung.
Sie schaffen Routinen und geben unserem Tag Struktur.
Auch an Tagen, an denen wir müde sind, keine Lust haben oder lieber auf dem Sofa bleiben würden, müssen die Hunde raus. Und oft merken wir genau dann, dass uns diese Runde mindestens genauso gutgetan hat wie unserem Hund.
Für manche Menschen sind Hunde ein Grund, mehr Zeit in der Natur zu verbringen. Für andere entstehen durch den Hund neue Kontakte und Freundschaften. Wieder andere genießen die Ruhe und die gemeinsame Zeit fernab vom Alltagstrubel.
Hunde helfen uns oft dabei, das zu finden, was wir brauchen.
Und manchmal führen sie uns dabei zu Themen, die weit über Hundetraining hinausgehen.
Bedürfnisse und Grenzen
In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, dass Menschen mit einem vermeintlichen Trainingsproblem kommen.
Doch häufig stellen wir gemeinsam fest, dass es eigentlich um etwas anderes geht.
Es geht um Bedürfnisse.
Es geht um Grenzen.
Es geht um Kommunikation.
Es geht um Orientierung.
Und oft nicht nur beim Hund ;)
Wenn wir lernen, die Bedürfnisse unseres Hundes wahrzunehmen, beginnen wir häufig auch, unsere eigenen Bedürfnisse bewusster wahrzunehmen.
Wenn wir lernen, Grenzen verständlich und fair zu setzen, merken wir vielleicht, an welchen Stellen uns das im Umgang mit anderen Menschen schwerfällt.
Das Zusammenleben mit einem Hund kann uns deshalb viel über Beziehung beibringen.
Nicht nur über die Beziehung zu unserem Hund, sondern auch über die Beziehung zu uns selbst.
Mit der Zeit wird vielen Menschen klar, dass es nicht nur um das Verhalten des Hundes geht.
Es geht um das gesamte System Mensch-Hund
Darum, wie wir miteinander kommunizieren.
Wie wir Bedürfnisse wahrnehmen.
Wie wir Grenzen setzen und respektieren.
Wie wir Orientierung geben.
Und wie wir gemeinsam durch den Alltag gehen.
Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum Hunde uns so tief berühren.
Nicht, weil sie perfekt sind.
Sondern weil sie uns jeden Tag einladen, genauer hinzuschauen.
Auf sie.
Und manchmal auch auf uns selbst.
Wenn du lieber hörst als liest, findest du die passende Podcastfolge dazu bei „Wir mit Hund“.